Blasenspiegelung (Zystoskopie)



Bei der Blasenspiegelung – auch Zystoskopie genannt – handelt es sich um eine urologische Untersuchung des unteren Harntraktes. Sie wird mit einem speziellen Kamerainstrument, dem sogenannten Zystoskop, durchgeführt. Die Untersuchung ermöglicht zum einen die direkte Betrachtung der Harnröhre, der Harnblase und der Prostata von innen. Zum anderen können während der Blasenspiegelung kleinere Eingriffe wie die Entnahme von Gewebeproben, die Entfernung kleinerer Steine oder die Verödung kleinerer Blutungen durchgeführt werden. Eine Zystoskopie wird meist ambulant durchgeführt und dauert nur einige Minuten.

Definition: Was ist eine Blasenspiegelung?

Bei einer Blasenspiegelung kann der untersuchende Arzt mithilfe eines Blasenspiegels (Zystoskop) – das ist ein spezielles dünnes und steriles Kamerainstrument – auf natürlichem Wege von außen und ohne offene Operation das Innere der Harnröhre, das Schließmuskelsystem, das Innere der Harnblase und beim Mann die inneren Anteile der Vorsteherdrüse (Prostata) ziemlich gut und in Vergrößerung untersuchen. Mittels des optischen Systems wird ein direktes farbiges Abbild der Strukturen unter Beleuchtung erzeugt, da die zu untersuchenden Regionen ja im Dunklen liegen.

Der Untersucher erkennt also mithilfe einer Blasenspiegelung die Details der einzelnen Organe, zum Teil sogar die Funktion des Schließmuskels und der Harnleitermündungen in der Blase sowie wichtige pathologischen Veränderungen. Die geniale urologische Standardmethode kann auch über 100 Jahre nach ihrer Erfindung zu großen Teilen nicht durch andere Techniken wie Ultraschall oder Computertomographie ersetzt werden. Über einen Bildschirm ist es dem Patienten möglich, die Blasenspiegelung zu verfolgen.

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CC BY-SA 3.0, Link

Wann ist eine Zystoskopie die geeignete Untersuchung?

Indikationen für die Durchführung einer Zystoskopie

Der Verdacht auf folgende krankhafte Veränderungen der Harnblase erfordert eine Blasenspiegelung:

Kontraindikationen für die Durchführung einer Blasenspiegelung

Bei einer krankhaften oder medikamentös herbeigeführten Blutungsstörung (Gerinnungstherapie), bei akuten Entzündungen und bei unruhigen Patienten ist die Zystoskopie eingeschränkt oder gar nicht möglich. Bei Kindern werden angepasste Untersuchungsinstrumente eingesetzt und eine kurze Allgemeinnarkose durchgeführt.

Wie läuft eine Blasenspiegelung ab?

Was muss der Patient vor einer Blasenspiegelung beachten?

Der Patient muss nicht nüchtern und die Harnblase sollte etwas gefüllt sein, damit das Instrument nicht an der Schleimhaut anstößt.

Wie lange dauert eine Zystoskopie?

Eine Blasenspiegelung dauert nur einige Minuten und kann ambulant erfolgen. Sie ist unangenehm, verursacht in geübten Händen in korrekter Ausführung jedoch keinerlei Schmerzen.

Arztsuche

Vorgehen bei einer Blasenspiegelung

Während der Blasenspiegelung ist der Patient entspannt und liegt auf einem speziellen Untersuchungsstuhl. Unter Umständen ist eine Sedierung oder Narkose, auf alle Fälle eine örtliche Betäubung der Harnröhre mit einem Gel erforderlich. Zusätzlich wird ein Gleitmittel eingesetzt. Der Genitalbereich wird desinfiziert.

Nach Einwirkzeit setzt der Untersucher das optische Instrument ein und lässt es durch die Harnröhre in die Blase gleiten. Dazu steht der Untersucher vor dem Patienten und zieht das Genitale mit zwei Fingern zart an, beschreibt mit der anderen Hand und dem Instrument den natürlichen Verlauf der Harnröhre. Zusätzlich beobachtet er dabei mit der Kamera die einzelnen Abschnitte, um eine innere Berührung zu vermeiden. Die Harnblase wird danach mit körperwarmer Kochsalzlösung aufgefüllt und entfaltet, um alle Anteile anzusehen.

Ein weiterer Vorteil der Blasenspiegelung besteht darin, dass kleinere behandlungsbedürftige Befunde versorgt werden können. Die Entnahme von Gewebeproben, die Entfernung kleinerer Steine, die Verödung kleinerer Blutungen, die Injektion von Medikamenten oder die Beseitigung von Einengungen der Harnröhre ist zusätzlich leicht möglich und ungefährlich.

Komplikationen und Risiken einer Zystoskopie

Nach der Blasenspiegelung muss der Patient reichlich trinken, um die Blase und die Harnröhre ordentlich zu spülen. Das Wasserlassen kann anfangs schmerzhaft und der Urin etwas blutig sein. Es kann nach einer Zystoskopie eine Entzündung auftreten, die sich mit Schmerzen oder Fieber ankündigt. In diesen Fällen muss der Patient sofort einen Arzt aufsuchen, da eine lebensgefährliche Situation eintreten kann. Dies kommt zum Glück außerordentlich selten vor. Auch Unverträglichkeitserscheinungen auf Arzneistoffe, Latex oder Desinfektionsmittel oder Blutungen kommen selten vor. Sehr selten sind auch Spätstörungen wie Harnröhreneinengungen oder Schließmuskelprobleme.

Fazit zur Blasenspiegelung

Mithilfe einer Zystoskopie kann der Arzt das Innere des unteren Harntraktes beleuchten und direkt betrachten. Es ist möglich, diese Basisuntersuchung mit kleineren Eingriffen an Harnröhre oder Harnblase wie Schlitzungen, Blutstillungen, Steinentfernungen oder Injektionen zu kombinieren.

Autor: Dr. med. Matthias Beintker