Die Hoden: Risikofaktor bereits für jüngere Männer



Den Hoden kommt als Fortpflanzungsorgan eine zentrale Bedeutung bei der Zeugung und Vererbung von genetischem Material auf die Nachfolgegeneration zu. Darüber hinaus sind sie für die Produktion des Hormons Testosteron und (in Verbindung mit Hypophyse und Hypothalamus) für die Regulation des Testosteronhaushaltes im männlichen Körper verantwortlich.

Die Körperregion des Hodensacks sowie die Hoden selbst können von lebensbedrohlichen Erkrankungen betroffen sein. Hodenkrebs ist die häufigste Krebserkrankung von Männern im Alter von 20 bis 40 Jahren, weswegen eine regelmäßige Vorsorge wichtig ist.

Männliche Anatomie mit Lage der Harnblase
© Henrie / Fotolia

Aufbau der Hoden

Die Hoden (Testikel) sind paarweise angeordnet und hängen schwebend im Scrotum (Hodensack). Am oberen Ende schließen die Nebenhoden an die Haupthoden an. Das gesamte Volumen des Hodensacks hängt am Samenstrang. Über das Bauchfell wird der Hodenabstieg eingeleitet, der über eine als Scheidenhautfortsatz bezeichnete Aussackung in das Scrotum mündet. Das untere Ende des Hodens wird Schwanzende genannt. Über den Samenleiter ist der Nebenhoden mit der Harnröhre verbunden. Sowohl Hoden als auch Nebenhoden sind im Innern mit Läppchen ausgestattet, die durch Kammern voneinander getrennt sind.

Zumeist ist der linke Hoden etwas größer als der rechte, sodass er im Scrotum tiefer unten hängt. Ein Hoden ist etwa 4 Zentimeter lang, 3 Zentimeter breit und 3 Zentimeter dick. Sie besitzen im Schnitt jeweils ein Volumen von 20 – 25 ml und wiegen circa 15 – 20 Gramm.

Funktion der Hoden

Als exokrines Geschlechtsorgan, das seine Sekrete über Drüsen an eine Körperoberfläche abgibt, kommt dem Hoden eine wichtige Aufgabe bei der menschlichen Sexualität und Fortpflanzung zu.

In den Hoden wird die Samenflüssigkeit (Sperma) gebildet, die über den Samenleiter durch den Penis nach außen geleitet wird. In Verbindung mit einer fruchtbaren Eizelle bildet das Spermium die Zygote, eine befruchtete Eizelle.

Außerdem sorgen die Hoden für die Regulation der Testosteronversorgung. Dabei interagieren sie bei der Bildung des Hormons stets mit den Gehirnarealen Hypophyse und Hypothalamus. Mit dieser Steuerung der Sexualhormone nehmen die Hoden eine bedeutende Rolle im endokrinologischen (hormonellen) System ein.

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Häufige Erkrankungen

Hodenhochstand

Eine relativ häufige Fehlentwicklung ist der Hodenhochstand. Die Hoden von männlichen Föten werden in der Bauchhöhle gebildet. Von dort wandern sie zumeist vor der Geburt, manchmal jedoch auch danach, hinab in den Hodensack.

Von einem Hodenhochstand spricht man, wenn beide oder ein einzelner Hoden nicht in vollem Umfang in den Hodensack gewandert sind. Man unterscheidet zwischen Bauchhoden, Leistenhoden, Gleithoden und Pendelhoden, wobei letztere wahrscheinlich ohne Bedeutung für eine erhöhte Krankheitsanfälligkeit sind.

Etwa 2 bis 4 Prozent aller männlichen Neugeborenen leiden bei der Geburt an Hodenhochstand. Sind die Hoden nach dem ersten Lebensjahr noch nicht vollständig im Hodensack angekommen, ist eine operative Maßnahme unumgänglich. Hodenhochstand führt später zu einem erhöhten Risiko für Karzinome (Krebsgeschwulste) der Hoden (Hodenkrebs).

Nebenhodenentzündung

Ein weiteres Krankheitsbild stellt die Nebenhodenentzündung (Epididimytis) dar. Hierbei ist zumeist ein Nebenhoden von einer Infektion befallen.

Die Entzündung der Nebenhoden zeigt sich häufig erstmals durch ein Brennen beim Wasserlassen. Später können Rötungen, Schwellungen und starke Schmerzen in der Genitalregion hinzukommen. Das Krankheitsbild kann mit Fieber, Schüttelfrost und allgemeinen Grippesymptomen einhergehen.

Zumeist wird eine Nebenhodenentzündung mit einer Betäubung des Samenstrangs und einer mehrwöchigen Antibiotikazufuhr behandelt. Sollte die Infektion nicht rechtzeitig ausheilen, besteht das Risiko, dass der Nebenhoden operativ entfernt werden muss.

In 15 – 20 Prozent der Fälle kann sich das Krankheitsbild überdies zu einer chronischen Variante auswachsen.

Hodenkrebs

Die gefährlichste Erkrankung der Hoden ist der Hodenkrebs. Tumoren im Hodenbereich zeitigen keine einheitliche Symptomatik. Oftmals verursachen sie ein Schweregefühl. Auch ausstrahlende Schmerzen im Leistenbereich können auf einen Hodentumor hinweisen. Bei ca. 70 Prozent der Erkrankten tritt eine starke Schwellung auf, die trotz ihrer Größe druckunempfindlich ist.

Behandelnde Ärzte können Hodentumoren zumeist mit einem Ultraschall diagnostizieren. Die Therapie ist verhältnismäßig einfach, die Heilungsrate über die nächsten 5 Jahre liegt bei 95 Prozent. Eine überstandene Hodenkrebserkrankung erhöht jedoch das Risiko, erneut einen Hodentumor zu entwickeln, und bedarf konsequenter Überwachung.

Spezialisten für Hodenerkrankungen

Mit ersten Symptomen können Betroffene sich an den Hausarzt wenden. Bei weiteren Fragen, z. B. wenn sich der Verdacht auf eine Erkrankung der Genitalregion erhärtet, wird dieser in der Regel an einen Spezialisten verweisen.

Urologen sind auf die Behandlung von Harnwegs- und Geschlechtskrankheiten spezialisiert. Sie stellen Diagnosen von Krankheitsbildern im Hinblick auf den Penis, die Hoden, die Prostata oder die Harnwege bzw. die damit verbundenen Organe wie die Blase.

Insbesondere Männer ab einem Alter von 25 Jahren sollten sich jedes Jahr einer urologischen Generaluntersuchung unterziehen, um bösartige Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen, Risiken vorzubeugen und möglicherweise erste Präventivmaßnahmen zu ergreifen.

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